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Sensationell: SCM besiegt Kiel mit 34 zu 31

Jubel nach dem sensationellen Sieg Jubel nach dem sensationellen Sieg Thomas Nawrath

Ersatzgeschwächt und mit wenig Hoffnung empfing der SC Magdeburg am regnerischen Mittwochabend den Rekordmeister aus Kiel. Doch mit großem Einsatz in der Abwehr, einem super aufgelegten Dario Quenstedt im Tor (17 Paraden!), manch erfolgreichem Tempogegenstoß und geduldig herausgespielten Feldtoren wurde die Sensation perfekt gemacht: unsere Grün-Roten besiegten das Team von Alfred Gislason mit 34:31 (Halbzeit 16:13). Genial!

Angesichts der umfangreichen Verletztenliste (Andreas Rojewski, Kjell Landsberg, Yves Grafenhorst, Michael Haaß, Marko Bezjak, Marco Oneto) wirkte die lautstarke Unterstützung der 6.330 Zuschauer für die "Rumpftruppe" des SCM zunächst wie das bekannte Pfeifen im Walde. Jure Natek war nach einem grippalen Infekt zu Wochenbeginn doch noch im Kader - an der Seite von SCM-Youngsters Max Jahnke und Bert Hartfiel. Doch siehe da: Unsere Jungs kamen gut ins Spiel und ließen sich auch vom zeitweiligen 2-Tore-Rückstand (4:6 in der 9. Minute, 6:8 in der 12. Minute) nicht entmutigen. Stattdessen stellte Coach Frank Carstens sein Team etwas um, wechselte nach 10 Minuten Dario Quenstedt für den eher glücklosen Gerrie Eijlers und Bennet "Benno" Wiegert als Spielmacher ein. "Benno"-Sprechchöre und viel Beifall von den Rängen, als der Rückkehrer mit einem Doppelschlag in der 12. und 13. Minute zum 8:8 ausglich. Erstmals ging der SCM in der 17. Minute in Führung, als Robert Weber den einzigen 7-Meter der Magdeburger an diesem Abend sicher verwandelte.

Als der Rechtsaußen wenig später zum 11:9 einnetzte, tobte die Halle. Nachdem Kiels Gegenstoß von Dario Quenstedt vereitelt wurde, hatte Meistertrainer Gislason gernug gesehen und nahm in der 18. Minute eine Auszeit - was die Halle mit Jubelgesängen für die eigenen Jungs quittierte. In der Folge konnten die Grün-Roten jede Aktion der Kieler erfolgreich kontern - auch wenn man nun den Eindruck gewann, dass das Schiedsrichtergespann immer wieder zu Gunsten der Gäste entschied. So bekam der THW zwischen der 25. und 60. Minute neun (!) Mal 7-Meter zugesprochen, während auf der Gegenseite trotz mancher Unsportlichkeiten und Regelverstöße (z.B. Abwehr im Kreis) die Hausherren maximal Freiwurf zugesprochen bekamen. Umso mehr glich die Arena einem Hexenkessel, als Marko Vujin vom 7-Meter-Punkt an Dario Quenstedt scheiterte. Mit standing ovations begleiten die Fans den SCM in die Pause (16:13).

Nach hektischem Wiederbeginn auf beiden Seiten, zieht der Rekordmeister das Tempo an und gleicht in der 36. Minute durch Rene Toft Hansen zum 18:18 aus. Doch statt den Kopf in den Sand zu stecken, spielt der SCM (trotz Unterzahl!) einfach weiter, Robert Weber erobert einern Ball zurück und Matthias "Matze" Musche netzt schlitzohrig zum 19:18 ein. Als nach Parade von Dario Quenstedt die Schiedsrichter erneut Kiel den Ball zusprechen, fegt ein gellendes Pfeifkonzert durh die Halle. Mit Max Jahnke als Regisseur kommen die Hausherren wieder gut ins Spiel - lautstark unterstützt von den Rängen - und spielen das 20:18 von Stefan Kneer wunderschön heraus. Auch den Kieler Gegentreffer kontert Kneer.

Immer wieder rennt sich Kiel in der grün-roten Abwehr fest oder scheitert am glänzend agierenden Dario Quenstedt, während vorn Robert Weber, Matze Musche oder Bartosz Jurecki ein ums andere Mal Stefan Kneer als "Vollstrecker" nacheifern. In der 43. Minute liegt der SCM erneut mit drei Toren vorn. In Überzahl kommen die Zebras auf 24:23 heran. Als wenig später auch Bert Hartfiel für 2 Minuten des Spielfeldes verwiesen wird, schallen "Ohne Schiris habt ihr keine Chance"-Gesänge durch das Hallenrund. Doch selbst der Ausgleich zum 24:24 (erneut Filip Jicha vom 7-Meter-Punkt) wird vom SCM treffend beantwortet: Kapitän Fabian van Olphen netzt zum 25:24 in der 46. Minute ein. Jure Natek und Tim Hornke erhöhen (in Unterzahl!!!) auf 27:24 - Kiel bringt nun Andreas Palicka für Johan Sjöstrand ins Tor. Als Matze Musche den Gästen in die parade fährt und den ball erobert, nimmt Gislason seine zweite Auszeit.

Von den Rängen schallt es nun "Super SC Magdeburg", Quenstedt pariert erneut - und die Arena gerät zum Tollhaus! Als Wienceks Gegenstoß von Kneer fair vereitelt wird und Musche Vujin festmacht, kommt ein neuerlicher 7-Meter für Kiel (nach Foul an Rasmus Lauge Schmidt) nicht wirklich überraschend. Jicha überwindet Eijlers und legt wenig später nach erfolgreichem Konter noch das 27:26 nach. bange Blicke zur Uhr: Noch 9 Minuten bis zum Spielschluss! Während Frank Carstens das 28:26 von Bartek Jurecki beruhigt zur Kenntnis nimmt, legt Alfred Gislason zum dritten Mal die grüne Karte. Die Magdeburger Fans quittieren die ungeahnte Hoffbung auf einen Sieg gegen die Gäste von der Förde mit standing ovations und "Der SCM ist wieder da!"-Gesängen. Als Kiel verwirft, feiert die Halle.

Nachdem Christian Zeitz den Anschlusstreffer zum 28:27 erzielt, nimmt Coach Carstens seine Auszeit. Jurecki kann auf 29:27 erhöhen - und die Gäste verwerfen. Noch 5 Minuten. Doch Palicka kauft Jure Natek den Schneid ab und Zeitz kann zum 28:28 ausgleichen. Kippt jetzt das Spiel? Nein! In den Schlusspurt gehen die Hausherren neuerlich unter der Regie von Youngster Max Jahnke und zeigen sich erfolgreich: Kneer netzt zum 30:28 ein, dann nimmt man den Gästen erneut den Ball ab und Jahnke selbst trifft nach Tempogegenstoß zum 31:28. Noch dreieinhalb Minuten. Nun schallen auch "Hier regiert der SCM!"-Rufe durch die Arena. Doch noch ist nichts gewonnen: zwar hält Quenstedt erneut, doch Jicha kann den nächsten 7-Meter verwandeln. Überlegt und ohne Hast trägt der SCM seinen Angriff vor und kann zwei Minuten vor Ultimo durch Kneer wieder vorlegen (32:29). Kiel kommt noch einmal in Schlagdistanz (32:30), doch in der Schlussminute zeigt sich Frank Carstens als Taktikfuchs: Auszeit. Die Halle kocht. Niemanden hält es mehr auf seinem Platz. Als Jahnke zum 33:30 einnetzt, stört sich niemand mehr an Jichas 33:31.

"Oh wie ist das schön... Sowas hat man lange nicht geseh'n" hallt es von den Rängen. Doch die Hausherren legen spielfreudig noch mal auf - und Tim Hornke verwandelt zwei Sekunden vor der Schlusssirene sogar noch zum 34:31. Grenzenloser Jubel unter Spielern und Fans der Grün-Roten. Die Mannschaft tanzt ausgelassen über das Parkett, lassen auch die Verletzten auf der Tribüne nicht außen vor. David hat Goliath umgeghauen. Kierls weiße Weste ist bepfleckt. Beide Punkte bleiben in Magdeburg. "Hier regiert der S - C - M !!!"

Torschützen: Filip Jicha (10 Tore), Marko Vujin und Rene Toft Hansen (je 6), Gudjon Valur Sigurdsson (3), Christian Zeitz (2).

Stefan Kneer (9), Robert Weber (6), Matthias Musche und Bartosz Jurecki (je 4), je 2x Tim Hornke, Jure Natek, Bert Harfiel, Maximilian Janke und Bennet Wiegert.

 

Ganz herzlichen Dank erneut an Andrea vom Fanclub Grün-Rot für die tollen Fotos!

 

Thomas Nawrath

 

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